Musiktherapie

 

Improvisation

 

Leider hat es in den westlich beeinflussten Kulturen in den letzten Jahrhunderten eine Entwicklung weg vom Improvisieren in der Musik gegeben. Eine Ausnahme bildet hier natürlich der Jazz.

In der klassischen Musik, die ja auch nach wie vor maßgeblich für unsere Art des Umgangs mit Musik im Westen ist, herrscht nicht allzu große Freiheit in puncto Improvisation.

Das ist natürlich bei der Komplexität vieler Orchesterwerke durchaus verständlich, denn wo kämen wir hin, wenn jeder in Beethovens Neunte einfach so spielt, was ihm gerade einfällt.

Nichts desto trotz wäre es aus meiner Sicht wünschenswert, wenn sich neben dem klassischen Ansatz auch wieder eine freie und weniger strukturierte Art des Musizierens entwickeln würde.

Denn Musizieren macht einfach große Freude und sollte für jeden eine Möglichkeit sein, sich auszudrücken. Frei von vorgefertigten Meinungen und Ideen, wie Musik klingen muss.

In der Musiktherapie wird über die improvisierte Musik innerhalb einer Gruppe eine Möglichkeit non- verbaler Kommunikation angeboten, die gezeigt hat, dass man manchmal ohne Worte einen direkteren und schnelleren  Zugang zu sich selbst findet, als beispielsweise im Rahmen einer Gesprächstherapie.

 

Im Folgenden ein paar Zitate zum Thema Improvisation und Musiktherapie

Kernstück der aktiven Musiktherapie ist die musiktherapeutische Improvisation, in der Klienten bzw. Patienten nach bestimmten Vorgaben oder frei improvisieren. Weiterhin ist die Einzelmusiktherapie von der Gruppenmusiktherapie zu unterscheiden. Die Gruppengröße ist auch aus pragmatischen Gründen unterschiedlich, sollte jedoch zehn Teilnehmer sicher nicht überschreiten. Häufig werden Perkussionsinstrumente und solche aus dem Bereich der Orffschen Instrumente verwendet, manche Therapeuten arbeiten z. B. auch mit selbst hergestellten Instrumenten. Musiktherapie bedeutet nicht, daß ausschließlich musikalisch gearbeitet werden muß. Im Sinne einer Aufarbeitung musikalischer Inhalte einer Improvisation ist ein verbaler Teil in die musiktherapeutische Sitzung integriert. Die Sitzungsfrequenz ist ebenso wie die notwendige Dauer der Behandlung von der individuellen Problematik abhängig und im Rahmen eines Gesamttherapiekontextes zu sehen. Als Sitzungdauer empfiehlt sich ein Zeitraum zwischen 30 und 120 Minuten. Sämtliche Formen der Musiktherapie können sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich durchgeführt werden.

 

"Das Spiel des Therapeuten ist in der therapeutischen Improvisation in Teilen oder Momenten ebenso ein 'freies' Spiel wie das des Patienten, andererseits ist es aber auf das Patientenspiel ausgerichtet. Der Therapeut verwendet eine oszillierende Wahrnehmungs-Einstellung, die es ihm erlaubt seine Spielfähigkeit gleichsam in den Dienst des Patienten zu stellen und zugleich die künstlerisch-kreativen Impulse aufzugreifen, die in der Situation lebendig werden. ...
Damit wird das Improvisieren neben dem Gespräch (ggf. anstelle des Gesprächs) und der Beobachtung von Gestik, Mimik, Atmosphäre des Zusammenseins etc. zu einem zentralen Untersuchungs- und Entwicklungsfeld für die Therapie." (Weymann, 2002, 56)