Musiktherapie

 

Geriatrie

 

Zitat:

 

Für die häufigsten psychischen bzw. psychiatrischen Erkrankungen im Alter - Depression und Altersdemenz - bietet Musiktherapie grundlegende Hilfen.

Depressiven Patienten, deren Gefühlswelt erstarrt ist, stellen einige Charaktereigenschaften der Musik basale Unterstützungspotentiale bereit. Der wichtigste Aspekt bei dieser Erkrankung ist die emotionalisierende Wirkung von Musik, die die Gefühlsleere füllen und die Erstarrung verflüssigen kann. Wo die Gefühlsebene nicht mehr verbalisiert werden kann, ersetzt musikalisches Erleben die Worte und fördert differenzierende Wahrnehmung. Andere Aspekte der Musik sind beispielsweise ihre Funktion als Erinnerungsträger. Musik aktiviert Assoziationen an - meist positiv besetzte - Erlebnisse der Vergangenheit und kann helfen, Lebensbilanzen besser zu bewerten und die brüchig gewordene Identität zu stabilisieren. Musikmachen fördert darüber hinaus die Bereitschaft zu experimentieren, sich probehalber auf neue Erfahrungen einzulassen und neue Lösungswege zu suchen.

Für altersdemente Patienten ist an erster Stelle eine Funktion der Musik zu nennen: Erinnerungen zu wecken. Da die Erkrankten schwerpunktmäßig in der Realität ihrer Kindheit und Jugend leben, knüpft die Musik hier an ihre Ressourcen an: Die prägenden musikalischen Erfahrungen werden in Kindheit und Jugend gemacht und erweisen sich als "resistent" gegen das Vergessen. Ein altersdementer Patient, der die Orientierung zu sich selbst verloren hat und seinen einen Namen nicht mehr aussprechen kann, kann aber mühelos ein vierstrophiges Volkslied singen. Die Erfahrung, dies noch zu können, trägt zum Identitätserhalt, zum Angstabbau und somit zur einem erheblichen Stück Lebensqualität bei. Die Emotionalität, über die Altersdemente noch sehr viel länger verfügen, als über kognitive Fähigkeiten, wird mit Hilfe vertrauter Musik gezielt angeregt und mündet nicht selten in erhöhte Wachheit und Verbalisierungsfähigkeit: Erlebnisse aus dem Altgedächtnis können wieder erzählt werden. Auch die äußere Beweglichkeit nimmt zu, und bei der Bewegung zur Musik werden wichtige Vitalfunktionen wieder angeregt.

Welche anderen Krankheitsbilder im Alter von Musiktherapie profitieren können, zeigt der "Indikationskatalog für chronisch-psychisch erkrankte ältere und alte Menschen" im Überblick ("Beiträge zur Musiktherapie Nr. 450").